Tempora mutantur - puellae ante portas!
Die Seminare waren zu allen Zeiten bemüht, sich dem allgemeinen Wandel der Gesellschaft anzupassen. Und das Tempo dieses Wandels beschleunigte sich zusehens.
Die Kirche war schon in den Sechzigerjahren einsichtig genug, Frauen zum vollen Pfarramt zuzulassen, ganz gewiß nicht zu ihrem Schaden. Da war es nur folgerichtig, daß 1969 erstmals Mädchen zum Landexamen und zum Eintritt ins Seminar zugelassen wurden. Zwar hatte die Promotion 1969/73 nur eine einzige Seminaristin aufzuweisen - ihre Unterbringung in den Seminaren Schöntal und Urach bereitete den Ephoren einiges Kopfzerbrechen - doch war nun offensichtlich der Bann gebrochen und in den folgenden Jahren wurde das Seminar mehr und mehr attraktiv für die Töchter des Landes; bald übertraf die Zahl der Mädchen in manchen Promotionen erheblich die der Jungen, was der Seminarstiftung und den Ephoren zeitweilig gewisse Sorgen bereitete.
Für die Unterbringung der Seminaristen verschiedenen Geschlechts wurden - durch kleinere Umbauten - praktische Lösungen gefunden. Die schulischen Leistungen der Seminaristinnen waren durchweg gut, im Durchschnitt lagen ihre Abiturnoten etwas über denen ihrer männlichen Compromotionalen, auch lagen sie bei den Preisträgern der landes- und bundesweiten Wettbewerbe deutlich vorne. Aber diese Erfahrung deckt sich ja durchaus mit den bei den sonstigen Gymnasien gemachten Beobachtungen.