Der Deutsch-Unterricht

Die neuhumanistische Forderung nach Deutsch-Unterricht wurde in den Seminaren im 19. Jhd. nur sehr zögerlich eingelöst. Zwar hatte Luther mit seiner Bibelübersetzung eines der wichtigsten Denkmäler der deutschen Sprach- und Literaturgeschichte geschaffen und die Verwendung des Deutschen im Gottesdienst durchgesetzt. Aus der Ausbildung evangelischer Theologen war die Muttersprache jedoch noch lange verbannt. Erst im Jahr 1793 wurde Deutsch endlich als Schulfach in der Klosterschule eingeführt.
Der erste Fachlehrer für Deutsch an einer höheren Schule in Württemberg war ein ehemaliger Uracher Seminarist: Eduard Mörike hatte von 1852 bis 1866 einen Lehrauftrag für deutsche Sprache und Literatur am Königin-Katharina-Stift in Stuttgart.

Die Seminarstatuten von 1818 betonten zwar, daß das Studium der deutschen Sprache, Poesie und Litteratur mit Ernst betrieben werden solle. Es waren aber lediglich in den letzten zwei Seminarjahren wöchentlich 2 Stunden Deutsch und die Anfertigung von Aufsätzen alle zwei bis vier Wochen vorgesehen. Man glaubte, durch den altsprachlichen Unterricht den größten Teil des Deutschunterrichts abzudecken, indem man bei den Übersetzungen auf guten Ausdruck und reine Aussprache des Deutschen achtete.
Gemessen an modernen Ansprüchen und am Interesse der Schüler an Literatur war der Deutschunterricht im Seminar noch für lange Zeit unzureichend. Auch am Ende des 19. Jhd. waren nur zwei Wochenstunden Literaturgeschichte und eine Stunde für mündliche Vorträge vorgesehen. Die Seminaristen waren darauf angewiesen, ihre literarischen Interessen in der freien Zeit zu befriedigen. Die Auswahl der dabei gelesenen Lektüre war reglementiert. Ohne Genehmigung der Lehrer durften die Schüler keine Bücher kaufen! Rud. Denzel wurde z.B. 1845 wegen Wandels in die hiesige Buchhandlung bestraft. Auch die Benutzung von Leihbüchereien war ein strafwürdiges Delikt.
Der Bücherbesitz der Seminaristen wurde regelmäßig kontrolliert. Es sollte verhindert werden, daß sich die Schüler mit übertriebener und verderblicher Lektüre, zerstreuender, bloß die Phantasie beschäftigender und vom ernsthaften Studium abhaltender oder gar unsittlicher Produkte aus dem Fach der schönen Litteratur beschäftigten.
Allgemein könnte man sagen: Die Literaturgeschichte im Seminar endete mit Goethes Tod.

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Stilkunde
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Hoelty-Gedichte
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Klopstocks Werke

Der in den Klosterschulen recht trockene und dogmatische Religionsunterricht wurde im 19. Jahrhundert wesentlich aufgelockert, er sollte anhand der biblischen Geschichte den religiösen Sinn der Schüler fördern. In den letzten 2 Jahren lag der Schwerpunkt auf der Sittenlehre, die sowohl pietistische wie aufklärerische Einflüsse aufwies.

Die Kenntnis biblischer Texte wurde vor allem durch die Lektüre im neutestamentlichen Griechisch und die im Hebräisch-Unterricht übersetzten Stellen im Alten Testament erworben. Nach alter Tradition sah man in einer gründlichen Philologie die Voraussetzung für die Theologie, da durch sie die Bildung einer positiven, auf Urkunden in alten Sprachen beruhenden Religion erreicht werde.