Geschichte und moderne Fremdsprachen
Der Sprachunterricht wurde zweifellos noch während des ganzen 19. Jhd. und selbst noch im 20. Jhd. stark überbetont. Erst der allerjüngsten Zeit blieb es vorbehalten, den Nutzen der alten Sprachen zumindest kritisch zu hinterfragen.
Die Geschichte hatte in den Seminarordnungen einen hohen Stellenwert, war sie doch nach Cicero testis temporum, lux veritatis und magistra vitae. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, daß mit Geschichte in erster Linie griechische und römische Geschichte gemeint war. An ihr sollten in 2 Wochenstunden die ewigen Ideen des Wahren, Guten, Großen und Schönen anschaulich gemacht werden und der Glaube der Schüler an eine göttliche Weltregierung gestärkt werden. Salzmann kritisiert in seinem Roman Hinter Klostermauern: Weltgeschichte wurde auch geboten, aber entgegen ihrem Namen eigentlich nur als griechische und römische Kriegsgeschichte nebst obligaten Zeittafeln, mit peinlicher Vermeidung von allem, was an Sitten- oder Kunstgeschichte streifen mochte. Ob es nach dem dreißigjährigen Krieg auch noch Geschichte gab, konnten wir nie herauskriegen; einige scharfsinnige Köpfe vermuteten es.
Moderne Fremdsprachen
Kenntnisse in Französisch, der Diplomatensprache, galten im 19. Jahrhundert immer mehr als unentbehrlich. Nach 1810 wurde der Unterricht in dieser Sprache in die Lehrpläne der Seminare aufgenommen. Es wurden u.a. Klassiker wie Corneille und Molière gelesen. Der Unterricht wurde meist Repetenten aufgehalst, die dafür keine Ausbildung besaßen. Salzmann schreibt dazu in seinem Roman: Zweimal wöchentlich wurde sogar Französisch aufgetischt, aber fragt mich nur nicht, wie!
Der Unterricht war ganz darauf ausgerichtet, Texte zu übersetzen. Gänzlich vernachlässigt wurde die Aussprache und Konversation, also die Fähigkeit, sich in Französisch verständigen zu können. Es hing eben alles von den Sprachkenntnissen des Lehrers ab, was dabei herauskam.


