Leben im Seminar

Was die Kleidung der Zöglinge betrifft, so verschwanden mit der Umwandlung der Klosterschulen in Seminare viele aus klösterlicher Zeit stammende Bestimmungen. Ab 1810 mußten keine Kutten mehr getragen werden, jeder konnte sich nun kleiden wie andere auch. Allerdings waren jeglicher Luxus und helle, auffallende Farben zu vermeiden. Nach den Seminarstatuten von 1818 sollten "dunkelblaue oder blaue Oberröcke mit Knöpfen gleicher Farbe, schwarze Weste, lange, schwarze Beinkleider mit ganz schwarzen, leichten, kein Geräusch verursachenden Stiefeln, nebst einem runden Hute oder anständiger Kappe" getragen werden. Im Gottesdienst und bei Feierlichkeiten mußte der Rock schwarz sein und eine schwarze oder weiße Halsbinde getragen werden.
In einem Erlaß von 1821 wurde angemahnt, daß "der unter den Seminaristen herrschende, höchst unanständige Gebrauch, mit entblößter Brust in einem auffallenden, wilden Haarschmuck einherzugehen", aufzuhören habe.

Auch der Tagesablauf erfuhr - verglichen mit dem der Klosterschulen - eine gewisse Liberalisierung. Die mehrfach täglich gehaltenen Chorgebete wurden abgschafft. Ein Tagesablauf sah etwa so aus:
6 Uhr Aufstehen
6.30 Uhr Morgenandacht
Waschen und Frühstück
8 - 12. Uhr Unterricht
12 Uhr Mittagessen
12. 30 - 14 Uhr Rekreation
14 - 19.30 Uhr Unterricht oder Studienzeit
19.30 Uhr Abendessen
21 Uhr Abendandacht, anschl. Studienzeit
22 Uhr Bettruhe

Im Sommer verschob sich der Plan um eine Stunde, Aufstehen war also bereits um 5 Uhr. Die Zeit des Mittagessens blieb aber bei 12 Uhr. Am Vormittag war dann noch eine Stunde Studienzeit eingeschoben. Das frühe Aufstehen scheint den Seminaristen schwer gefallen zu sein, denn das Zuspätkommen zur Morgenandacht war die häufigste Ursache für Strafen.
Eine lange Zeit, bis 1865, bestand das Frühstück aus einer Brot-, Brenn- oder Milchsuppe. Die Seminaristen beantragten immer wieder stattdessen Kaffee mit Wecken; aber erst 1864 führte ein sehr ironischer Zeitungsartikel der "Schwäbischen Kronik" zur Abschaffung der Frühstückssuppe. Die Umstellung war dann eine Enttäuschung, denn der ausgegebene Kaffee war alles andere als Guatemala, er wurde aus gerösteter Gerste oder aus geröstetem Brot gebraut.
Die übrige Kost war einfach und reichlich. Nach einer Empfehlung von Ärzten wurde 1844 pro Tag und Person ein halbes Pfund Fleisch und viele Mehlspeisen gereicht. Es gab sowohl mittags wie abends eine warme Mahlzeit mit Suppe. Nach 1900 setzte sich die Einsicht durch, daß weniger Fleisch, mehr Gemüse und vor allem Abwechslung gesünder sei.

Die freie Zeit, Rekreationszeit genannt, sollten die Seminaristen bei gutem Wetter zur Bewegung im Freien nutzen, wovon sie denn auch gerne Gebrauch machten. In Schöntal und Maulbronn hieß das meist Spazierengehen in Feld und Flur; in Blaubeuren und Urach bestand auch die Möglichkeit, ins Städtchen zu gehen, durch die Straßen bummeln, an Ecken stehen und plaudern. Weitergehende Vergnügungen waren den Seminaristen jedoch versagt; Wirtshausbesuche waren streng verboten, auch durften sie ohne Genehmigung keinerlei Einkäufe tätigen. Wurde einer beim Betreten einer Konditorei und beim Kauf von Süßigkeiten erwischt, mußte er mit Strafe rechnen.
An die Spezies Mädchen auch nur zu denken, oder gar den Blick auf solche zu richten, welcher Seminarist hätte sich eines solchen Frevels schuldig machen wollen?Was die Kleidung der Zöglinge betrifft, so verschwanden mit der Umwandlung der Klosterschulen in Seminare viele aus klösterlicher Zeit stammende Bestimmungen. Ab 1810 mußten keine Kutten mehr getragen werden, jeder konnte sich nun kleiden wie andere auch. Allerdings waren jeglicher Luxus und helle, auffallende Farben zu vermeiden. Nach den Seminarstatuten von 1818 sollten "dunkelblaue oder blaue Oberröcke mit Knöpfen gleicher Farbe, schwarze Weste, lange, schwarze Beinkleider mit ganz schwarzen, leichten, kein Geräusch verursachenden Stiefeln, nebst einem runden Hute oder anständiger Kappe" getragen werden. Im Gottesdienst und bei Feierlichkeiten mußte der Rock schwarz sein und eine schwarze oder weiße Halsbinde getragen werden.
In einem Erlaß von 1821 wurde angemahnt, daß "der unter den Seminaristen herrschende, höchst unanständige Gebrauch, mit entblößter Brust in einem auffallenden, wilden Haarschmuck einherzugehen", aufzuhören habe.

Auch der Tagesablauf erfuhr - verglichen mit dem der Klosterschulen - eine gewisse Liberalisierung. Die mehrfach täglich gehaltenen Chorgebete wurden abgschafft. Ein Tagesablauf sah etwa so aus:
6 Uhr Aufstehen
6.30 Uhr Morgenandacht
Waschen und Frühstück
8 - 12. Uhr Unterricht
12 Uhr Mittagessen
12. 30 - 14 Uhr Rekreation
14 - 19.30 Uhr Unterricht oder Studienzeit
19.30 Uhr Abendessen
21 Uhr Abendandacht, anschl. Studienzeit
22 Uhr Bettruhe

Im Sommer verschob sich der Plan um eine Stunde, Aufstehen war also bereits um 5 Uhr. Die Zeit des Mittagessens blieb aber bei 12 Uhr. Am Vormittag war dann noch eine Stunde Studienzeit eingeschoben. Das frühe Aufstehen scheint den Seminaristen schwer gefallen zu sein, denn das Zuspätkommen zur Morgenandacht war die häufigste Ursache für Strafen.
Eine lange Zeit, bis 1865, bestand das Frühstück aus einer Brot-, Brenn- oder Milchsuppe. Die Seminaristen beantragten immer wieder stattdessen Kaffee mit Wecken; aber erst 1864 führte ein sehr ironischer Zeitungsartikel der "Schwäbischen Kronik" zur Abschaffung der Frühstückssuppe. Die Umstellung war dann eine Enttäuschung, denn der ausgegebene Kaffee war alles andere als Guatemala, er wurde aus gerösteter Gerste oder aus geröstetem Brot gebraut.
Die übrige Kost war einfach und reichlich. Nach einer Empfehlung von Ärzten wurde 1844 pro Tag und Person ein halbes Pfund Fleisch und viele Mehlspeisen gereicht. Es gab sowohl mittags wie abends eine warme Mahlzeit mit Suppe. Nach 1900 setzte sich die Einsicht durch, daß weniger Fleisch, mehr Gemüse und vor allem Abwechslung gesünder sei.

Die freie Zeit, Rekreationszeit genannt, sollten die Seminaristen bei gutem Wetter zur Bewegung im Freien nutzen, wovon sie denn auch gerne Gebrauch machten. In Schöntal und Maulbronn hieß das meist Spazierengehen in Feld und Flur; in Blaubeuren und Urach bestand auch die Möglichkeit, ins Städtchen zu gehen, durch die Straßen bummeln, an Ecken stehen und plaudern. Weitergehende Vergnügungen waren den Seminaristen jedoch versagt; Wirtshausbesuche waren streng verboten, auch durften sie ohne Genehmigung keinerlei Einkäufe tätigen. Wurde einer beim Betreten einer Konditorei und beim Kauf von Süßigkeiten erwischt, mußte er mit Strafe rechnen.
An die Spezies Mädchen auch nur zu denken, oder gar den Blick auf solche zu richten, welcher Seminarist hätte sich eines solchen Frevels schuldig machen wollen?

zeitgenössisches Dokument
Auszug aus dem Uracher Strafenregister, u.a. Strafen Eduard Mörikes

Theaterspielen, meist unter Leitung eines Repetenten, wurde gern und oft geübt und in öffentlichen Aufführungen auch außerhalb des Seminars gezeigt. Allerdings kamen die Akteure dabei zuweilen in Konflikt mit der Obrigkeit. Seminarist Wetzel aus der ersten Uracher Promotion berichtet in seinem Tagebuch, sie seien zu dritt zum Ephorus zitiert worden; dieser habe ihnen ein Schreiben des kgl. Studienrates verlesen des Inhalts: Sie hätten erfahren, daß manchmal des Abends im Seminar Theater gespielt werde und "daß sogar Weibspersonen aus der Stadt dabey gewesen", dies könne nun unter keiner Form mehr gestattet werden! Die Seminaristen baten den Ephorus, er möge ihnen doch gestatten, wenigestens das bereits eingeübte Stück (Der Wunderdoktor von Molière) noch zu spielen; aber es wurde ihnen abgeschlagen. Sie spielten es trotzdem, aber nun ohne alle Dekorationen und Kulissen und auch ohne die "Weibspersonen", womit sie sich trotzdem noch einmal eine Rüge des Ephorus einhandelten - es sei eine "fractio legis", doch wolle er es noch einmal hingehen lassen.
Die Hauptrolle in dem Stück spielte übrigens der Seminarist Eduard Mörike, der auch einen selbstverfaßten Prolog las.
Wie man sieht, waren den Freizeit-Aktivitäten der Alumnen recht enge Grenzen gesetzt.
Ansonsten waren Königs Geburtstag, Kaisers Geburtstag, die jährliche Lutherfeier und andere Anlässe Gelegenheiten, zur festlichen Ausgestaltung der Feiern beizutragen, mit genehmigten Theateraufführungen, Deklamationen und vor allem mit Chor, Orchester und Kammermusik. Eine letzte Festlichkeit war alle 2 Jahre die Abschiedsfeier, bei der u.a. ein Seminarist eine Rede über ein selbstgewähltes Thema hielt.