Herzog Ulrich, der Verbannte

Dieses Lied soll Herzog Ulrich von Württemberg gesungen haben, als er sich zum Schutz vor dem Schwäbischen Bund in der Nebelhöhle unterhalb des Lichtenstein versteckt hielt:

Vom Turme, wo ich oft gesehen
Hernieder auf ein schönes Land,
Vom Turme fremde Fahnen wehen,
Wo meiner Ahnen Banner stand.
Der Väter Hallen sind gebrochen,
Gefallen ist des Enkels Los,
Er birgt, besiegt und ungerochen,
Sich in der Erde tiefem Schoß.

Und wo einst in des Glückes Tagen
Mein Jagdhorn tönte durchs Gefild,
Da meine Feinde gräßlich jagen,
Sie hetzen gar ein edles Wild.
Ich bin das Wild, auf das sie pirschen,
Die Bluthund' wetzen schon den Zahn,
Sie dürsten nach dem Schweiß des Hirschen,
Und sein Geweih steht ihnen an.

Die Mörder han' in Berg und Heide
Auf mich die Armbrust aufgespannt,
Drum in des Bettlers rauhem Kleide
Durchschleich' ich nachts mein eigen Land;
Wo ich als Herr sonst eingeritten
Und meinen hohen Gruß entbot.
Da klopf' ich schüchtern an die Hütten
Und bettle um ein Stückchen Brot.

Ihr warft mich aus den eignen Toren,
Doch einmal klopf' ich wieder an,
Drum Mut! Noch ist nicht all verloren,
Ich hab' ein Schwert und bin ein Mann.
Ich wanke nicht; ich will es tragen;
Und ob mein Herz darüber bricht,
So sollen meine Feinde sagen,
Er war ein Mann und wankte nicht.

(aus: Wilhelm Hauff, Lichtenstein)

Wilhelm Hauff war selbst Schüler am Evang.-theol. Seminar Blaubeuren

Hie gut Württemberg allezeit!