Gute Räume für Herzensbildung

Blaubeuren / Thomas Spanhel 02.11.2018

Wir wollen für gute äußere und innere Bildungsräume sorgen“: Mit diesen Worten hat Landesbischof Frank Otfried July am vergangenen Freitag die Bedeutung der zwölfjährigen Umbau- und Sanierungsarbeiten im Kloster Blaubeuren für die evangelische Kirche unterstrichen.

Viele Schüler, Lehrer, Eltern und an der Sanierung Beteiligte waren gekommen, um bei einem Gottesdienst vor dem Hochaltar den Abschluss der Bauarbeiten zu feiern. Im Anschluss daran wurde bei einem Festakt im Dorment auf Besonderheiten der langen Baugeschichte zurückgeblickt.

Die von der Landeskirche investierten 14 Millionen Euro seien zwar für die Gebäude ausgegeben worden, sie kämen aber der guten Bildung zugute, die das Seminar vermittle, sagte July in seiner Festpredigt. Er lobte die vielen Beteiligten, die viel „Zeit, Kraft, Geduld und Geld“ eingesetzt hätten, damit aus der Sanierung „hochgeistiges, geistliches Kapital“ werde. Im Seminar gebe es ein ganz eigenes Bildungsprogramm, in dem Informationen nicht beziehungslos im Raum stehen blieben, wie sonst so oft im Alltag. Es gehe um Werte, es gehe darum, aus der Gnade Gottes Leben zu entdecken, Orientierung zu finden, Verantwortung zu übernehmen.  Das sei gerade in der heutigen Gesellschaft wichtig, unterstrich July: „Wir wollen den Fliehkräften von Hassreden etwas entgegensetzen.“

„Sie vertrauen darauf, dass die 40 Tonnen Dach über Ihnen, auch dort bleiben, wo sie sind“, witzelte Ephorus Henning Pleitner in seiner Begrüßung. Dieses Vertrauen habe man vor einigen Jahren nicht mehr haben können. Jetzt aber schon wieder – dank der guten Sanierung. Die Entscheidung zum Erhalt des Seminars sei „mutig und richtig“ gewesen. Viele Lebensläufe zeigten, dass es im Seminar gelinge, den jungen Menschen Werte und „Herzensbildung“ zu vermitteln, die heute so nötig seien. „Viel Erfolg an der nunmehr schönsten Schule des Landes“, wünschte dazu Jörg Krauss, Ministerialdirektor im Finanzministerium. Zwölf, glücklicherweise unfallfreie Jahre der Sanierung seien sicher für Schüler und Lehrer „kein Spaziergang“ gewesen, hätten viel „Schmerz und Schmutz“ bedeutet. Umso mehr könne man nun stolz auf das „nationale Kulturdenkmal“ sein.

Der frühere Stuttgarter Prälat Martin Klumpp, der den Bauausschuss während der Sanierung leitete, erinnerte an die Begeisterung für die alten Gebäude, die alle an der Sanierung Beteiligten erfasste. Er bedankte sich einzeln bei Mitarbeitern des Landesamtes „Vermögen und Bau“, die „geduldig, klug und mit großer Detailkenntnis“ mit daran gearbeitet hätten, dass am Ende „schöne, finanziell angemessene und für die Nutzung des Seminars sinnvolle Lösungen“ standen. Die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz wiederum ehrte Klumpps unglaublichen Einsatz. Die Schülersprecherin lobte die jetzt freundlichen Schlafräume, modernen Bäder, das schöne Dorment oder auch „Superbedingungen“ für „Superköche“ der Seminarküche.

Schulorchester, Schulchor und Schulband unter Leitung von Musiklehrer Jan Liermann gestalteten Gottesdienst und Festakt musikalisch schön. Während einzelner Führungen gab es Einblicke in die Veränderungen am mittelalterlichen Gebäude. Im Refektorium, wo im 15. Jahrhundert schon die Mönche speisten, konnten sich die Gäste stärken.

Das Blaumännle, 2.11.2018


Feier nach zwölfjährigen Bauarbeiten

Blaubeuren / sp 19.10.2018

Am kommenden Freitag, 26. Oktober, feiert das Evangelische Seminar ab 13 Uhr den Abschluss der zwölfjährigen und fast 14 Millionen Euro teuren Erweiterungs- und Sanierungsarbeiten an Seminar und Klostergebäude. Ephorus Henning Pleitner blickt „froh und dankbar“ auf die vielen Veränderungen zurück. Aufgrund der Investitionen von Kirche und Land habe das Seminar jetzt eine „optimale Ausstattung“, der Seminarbereich „ist klasse geworden“, resümiert er.

Anlass des Umbaus war 2006 die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium im Land. Zunächst war unsicher, wie es dann mit den Seminarschulen in Maulbronn und Blaubeuren weitergehen soll. „Das wichtigste war, dass Land und Landeskirche in einer bewussten Entscheidung Geld für beide Standorte zur Verfügung gestellt haben“, berichtet Pleitner. So konnten beide Schulen ab 2009 ausbauen und die Klassen 9 bis 12 einrichten. Bei fortgesetzter Ausrichtung auf eine humanistische Bildung und gleichbleibender Stipendienförderung wurde die Zahl der Schüler in Blaubeuren von 75 auf 100 erhöht.

Da das im Klosterhof liegende ehemalige Forstamt aufgelöst wurde, konnte dieses Gebäude 2007 vom Seminar übernommen und als Schüler- und Lehrerwohnhaus umgebaut werden. Es folgte die Komplettsanierung des Wohn- und Arbeitsbereichs der Mittelstufe im Klostergebäude und die Renovierung des Neubaus von 1975 für die letzte Klasse, die in Einzelzimmern untergebracht ist.

„Die schwierigste Zeit war, als Speisesaal und Küche umgebaut wurden“, erinnert sich Ephorus Pleitner an rund eineinhalb Jahre während der Renovierungsphase, der mit einigem Aufwand verbunden war: „Damals mussten alle schon fürs Frühstück ihren Kittel anziehen und zum alten Spitel laufen, wo wir die alte Küche und den Speisesaal nutzen konnten.“ Der klösterliche Speisesaal wurde derweil behutsam renoviert und neu ausgestattet – ebenso das Dormitorium, das zusammen mit dem Ephorat das Kloster zu einem „Baudenkmal von nationaler Bedeutung“ macht.  Bei der Ausstattung orientierte man sich am klösterlichen Ideal der Schlichtheit und Nachhaltigkeit. „Das ist sehr ästhetisch“, freut sich Pleitner – ebenso wie eigens gebaute Eichenholzmöbel und die modernen Bäder. Die Unterrichtsräume wurden auf den aktuellen technischen Stand gebracht.

Während der Renovierungsarbeiten zeigten sich gravierende statische Schäden in der mittelalterlichen Dachkonstruktion des Klosters: Holzbalken hatten sich verzogen und abgesenkt, Decken drohten einzustürzen. Ohne massive Eingriffe wären Klosterkirchensaal und Dorment gefährdet gewesen. Eine in die Dächer eingebrachte aufwändige Stahlkonstruktion stabilisiert jetzt die Dächer nachhaltig. Zugleich wurden schadhafte Dachziegel und Mauerwerk ausgetauscht. Dabei verwendete man wenn möglich alte Ziegel aus anderen Klöstern. Für das Dach der Klosterturms fertigte eine Brennerei im Elsass neue Ziegel in alter Handformtechnik einzeln angefertigt. Im Klosterkirchensaal wurden Einbauten der 80er Jahre entfernt und so der schöne schlichte Charakter des Raumes wiederhergestellt. Alle Brandschutzbestimmungen können jetzt für Großveranstaltungen eingehalten werden, berichtet Pleitner.

Ein Nebeneffekt der Sanierung war die gründliche bauhistorische Untersuchung des Klosters, das noch gut erkennbar wesentliche Teile des ersten Klosterbaus enthält. So ist der Speisesaal des Klosters aus dem 15. Jahrhundert auf den Resten des darunter liegenden ersten Klosters erbaut, die zugemauerte Zugangstür dazu ist im Kreuzgang zu sehen. Eine ausführliche Publikation zur Baugeschichte wird Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Als „ein richtiges Wunder“ schätzt Pleitner, dass die Umbau- und Sanierungsarbeiten trotz der vielen, unerwarteten Schäden im Kostenrahmen geblieben sind. „Kompliment an die vom Amt für Vermögen und Bau geplanten und begleiteten Baumaßnahmen“, sagt Pleitner. Nicht zuletzt das sei für den Träger des Seminars, die Evangelische Seminarstiftung Stuttgart, ein Grund zum Feiern: „Das Seminar Blaubeuren ist nach zwölfjähriger Renovierung wieder offen für die Zukunft.“

Beständige Veränderungen im Kloster

Sanierungsarbeiten und Veränderungen an und in den Blaubeurer Klostergebäuden wurden in den jetzt 463 Jahren des Bestehens der Internatsschule immer wieder durchgeführt. Nach der Umwandlung des ursprünglichen Benediktinerklosters zur Internatsschule für begabte Landeskinder 1556 öffnete sich die bis dahin ausschließlich humanistische Schule Anfang des 18. Jahrhunderts den Naturwissenschaften.

1817 wurde die Klosterschule in „Evangelisches Seminar“ umbenannt, der evangelische Abt hieß jetzt „Ephorus“, die Seminaristen mussten keine Mönchskutten mehr tragen und die tägliche Weinration wurde gestrichen. Der erste Schulsportplatz Deutschlands wurde am Kloster eingerichtet. Mit der gymnasialen Oberstufenreform 1975 kam ein neues Gebäude hinzu und Mädchen wurden aufgenommen.

Das Blaumännle, 19.10.2018


Fabian überzeugt - Semi gewinnt bei Jugend musiziert

Blaumännle
MUSIK / Erfolge beim Wettbewerb

Fabian überzeugt

Bietigheim-Bissingen Der 55. Landeswettbewerb „Jugend musiziert“, getragen vom Deutschen Musikrat, fand vergangene Woche von Mittwoch, 14. März, bis Sonntag, 18. März, in Bietigheim-Bissingen statt. Parallel dazu fand auch der Wettbewerb für Schlagzeug-Ensemble am Samstag, 16. März, und Sonntag, 17. März, in Meckenbeuren statt, wie die Musikschule Blaubeuren-Laichingen-Schelklingen berichtet. „Jugend musiziert“ dient der Förderung des instrumentalen und vokalen Musizierens, aber natürlich auch dem Leistungsvergleich. Der Wettbewerb ist also Förderung und Forderung zugleich.

Aus dem Verbandsgebiet der Musikschule Blaubeuren-Laichingen-Schelklingen nahmen sechs junge Solisten in den Wertungen „Blasinstrument solo“ der Altersgruppen II, III, IV und V am Wettbewerb teil. Mit einer herausragenden Leistung überzeugte Fabian Körner auf der Tuba. In der Altersgruppe V erreichte er mit 25 Punkten die Höchstpunktzahl und qualifizierte sich für den Bundeswettbewerb vom 17. bis 24. Mai in Lübeck. Gute zweite Plätze holten: Amelie Gruber (Oboe), Nick Killius (Trompete), Marit Burkhardt (Waldhorn), Rebecca Scott (Saxophon) und Alessia Fadda (Waldhorn).


Abifeier der Promotion 2014-2018

Wochenblätter der SÜDWEST PRESSE, Ulm; Das Blaumännle, Nr.28; Freitag, den 13. Juli 2018

Seite Nr.12 Deep-Link-Referenznummer 16994931

Schule / 21 Abiturienten am Evangelischen Seminar

Fünf Mal ein europäisches Abitur

Am vergangenen Mittwoch haben 21 Abiturientinnen und Abiturienten des Evangelischen Seminars ihren Schulabschluss gefeiert.

Blaubeuren Die Abiturienten stellten ihre Feier unter das Motto „12 Jahre und nichts für die Unsterblichkeit getan“. Ephorus Pleitner freute sich als Pfarrer, dass den Abiturienten anscheinend nichtmaterielle Werte wie die Unsterblichkeit wichtig seien. Allerdings sei er als Lehrer über das falsche Zitat enttäuscht, merkte er ironisch an: Schillers Don Carlos rede nämlich in dem Zitat von 23 und nicht von 12 Jahren.

Besonders erwähnenswert ist, dass fünf der 21 Abiturienten den Abschluss nach dem Bildungsgang Europäisches Gymnasium mit vier Fremdsprachen, darunter Griechisch und Latein gemacht haben. Das Zertifikat Europäische Abitur wird weniger als 50 Mal pro Jahr verliehen. Daneben konnten Preise der Stiftung „Humanismus heute“, Scheffelpreis für besondere Leistungen im Fach Deutsch, der Paul-Schempp-Preis der evangelischen Landeskirche sowie Preise der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (drei Preisträgerinnen), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (zwei Preisträgerinnen) und der IHK vergeben werden. Junge Frauen waren besonders in den Naturwissenschaften erfolgreich. Vier der Preise gingen allein an Tamara Münzenmaier, die mit dem Abiturschnitt von 1,0 auch das beste Abiturergebnis des Jahrgangs erzielte.

Der Abschied nach vier Jahren am Seminar fiel den Seminaristen, die ihre Abiturfeier mit einer Andacht vor dem Hochaltar eröffneten, sichtlich schwer. Anna, die aus München kommend, nur ein Jahr am Seminar verbrachte, formulierte es in der Abiturzeitung so: „208 Tage. Nur 208 Tage hatte ich Zeit, diese Menschen kennen und lieben zu lernen. Es ist fast schon grausam, nur so kurze Zeit am Semi zu sein.“

Viele der Seminaristen absolvieren im Anschluss an die Schule ein soziales oder praktisches Jahr im Ausland.

Fotos von Andreas Mack


Das Seminar gewinnt beim 24-Stunden-Kick

Wochenblätter der SÜDWEST PRESSE, Ulm; Das Blaumännle, Nr.26; Freitag, den 29. Juni 2018
Seite Nr.12 Deep-Link-Referenznummer 16990145

Die Bitten des werdenden Vaters erhört

Rund 18 000 Euro Spenden wurden bei der 22. Auflage des 24-Stunden-Kicks in Blaubeuren eingespielt. Deutlich hat heuer mit 149:113 das evangelische Seminar gewonnen.

EVA MENNER

Blaubeuren Sonntags eine halbe Stunde vor dem Schlusspfiff um 12 Uhr geben die Spieler auf dem „Plätzle“ im Blaubeurer Klosterhof noch einmal alles und stürmen aufs Tor, als dauerte der Fußballmarathon nicht schon fast 24 Stunden. „The Final Countdown“ ertönt, dann der Abpfiff, Endstand 149 Tore für das Seminar, 113 für das evangelische Jugendwerk. Am Ende fallen sich die Teams in die Arme, klatschen sich ab und fühlen sich beim Klang von „We are the Champions“ wie die wahren Fußballhelden dieser Tage.

„Wird da noch woanders Fußball gespielt?“, fragt Marc Hermann ganz harmlos. Er ist angesichts seines für den Kick reifen Alters von 54 Jahren mit dem Kampfnamen Methusakick aufgelaufen. Ein Veteran des Kicks ist Albrecht Reuß, der die diesen Marathon mit ins Leben gerufen hat und seitdem noch kein Spiel versäumt hat. Auf der Seite des Seminars lag das Durchschnittsalter niedriger, spielten doch etliche Schüler mit. So auch der 16-jährige Fabian Körner, der sich bei seiner zweiten Kickteilnahme gleich als Torjäger entpuppte, 24 Tore zum Erfolg beitrug und damit das zweitbeste Ergebnis erzielte. „Am Anfang lief es noch nicht so gut, doch in der Nacht dafür umso besser“, meinte er. Torschützenkönig wurde Teamkollege Robert Sauter mit 29 Toren, bester Torschütze beim Jugendwerk war Reik Schlitter mit 20 Toren. Auf der ewigen Torjägerliste hat Christian Sigloch jetzt Albrecht Reuß überholt. Sigloch schoss sein 500. Tor beim Kick.

Seine Teilnahme war etwas unsicher, seine hochschwangere Frau hatte in den nächsten Tagen den Geburtstermin. Aber das Baby hielt sich an die flehentlichen Bitten des werdenden Vaters und kam nicht ausgerechnet während des Kicks zur Welt. Beste Torschützin war Thea Kannenberg (Seminar) mit sechs Toren. Torwartkönig wurde „Wolle“ Vulkan Ucar (Jugendwerk) mit 35 Prämien für je 10 Minuten ohne Gegentor.

Die 24 Stunden haben allerdings auch ihren Tribut gefordert, einige Spieler fielen wegen Muskelfaserrissen oder Bänderrissen aus. Das Rund-um-Service-Team (RUST) massierte müde Spielerbeine, sorgte für Kaffee und warme Brühe, organisierte Frühstück und leistete manchem Spieler moralischen Beistand. Nach dem Abpfiff ging es für die „Paten“ ans Zahlen, sie spendeten den Spieler eine Tor- oder Torwartprämie. Darunter waren Mitschüler, Lehrer, Bekannte, Verwandte und etliche Prominente. Dank der Paten sind etwa 18000 Euro zusammengekommen, mit 1900 Euro war Jonathan Glanz der beste Spendensammler. Die Erlöse kommen seit Beginn Projekten in Argentinien zugute. Unterstützt wurde in den letzten Jahren das Frauenprojekt „Kleine Tropfen mit ganzem Einsatz“ in einem Armenviertel der Stadt Bariloche. Frauen finden dort in einem Haus Zuflucht, für die Kinder gibt es einmal am Tag eine warme Mahlzeit, die Frauen können sich austauschen und erhalten Beratung. Es gibt einen Aufenthaltsraum, sanitäre Anlagen wurden installiert und ein neuer Backofen ermöglicht einen Straßenverkauf und dadurch ein bisschen finanzielle Sicherheit für die Frauen. Damit das Haus besser vor der Kälte und dem starken Wind, der in Patagonien bläst, geschützt wird, soll nun die Fassade verkleidet werden.


Erhard Eppler las im Dorment des Klosters

Wochenblätter der SÜDWEST PRESSE, Ulm; Das Blaumännle, Nr. 25,  Freitag, den 22. Juni 2018Seite Nr.1 Deep-Link-Referenznummer 16985688

Mit innerem Feuer für soziale Politik

„Wir müssen uns in Europa rascher zusammenschließen und schneller entscheiden“: So lautet Erhard Epplers Ratschlag gegen einen US–Präsidenten, der nicht mehr an einem guten Miteinander, sondern nur an eigener Macht interessiert ist.

THOMAS SPANHEL; MELANIE REINER

Blaubeuren Seine Stimme klingt dünn, er spricht langsam, mit Pausen: Dem früheren SPD-Minister Erhard Eppler sind seine 91 Jahre beim Auftritt im Dorment des Klosters Blaubeuren am Dienstagabend deutlich anzumerken. „Man ist ja schließlich nicht mehr 80“, zitiert er Konrad Adenauer, setzt sich zwischendurch und lässt aus seinem neuen Buch „Trump – und was tun wir?“ vorlesen. Doch dann geht er wieder ans Mikrofon, wird energisch und macht voll innerem Feuer deutlich, dass er in Sorge ist um unsere demokratische Ordnung in der Welt. „Ich habe neun Urenkel, und ich sehe Tendenzen in der Weltpolitik, dass diese charmanten kleinen Mädchen und Buben in einer Ordnung leben werden, die wesentlich unangenehmer ist als die, die wir heute haben.“ Daher will er sich auch im hohen Alter politisch einmischen, Bücher schreiben, zur vernünftigen Diskussion motivieren.

Hauptproblem der aktuell schlimmen Situation ist für Eppler US-Präsident Donald Trump. Seit Eppler sein Buch vor einem Jahr schrieb, sei vieles noch schlechter geworden. Der Streit zwischen CDU und CSU über die Zuwanderung etwa könne dazu führen, „dass wir bald ohne Regierung sind und dass wir dann Trump hilflos ausgeliefert sind“.

Auch andere Entwicklungen habe Eppler sich vor einem Jahr noch nicht so vorstellen können. So etwa, dass sich Trump bereits auf seine Wiederwahl vorbereitet, dass die Welt also „noch lange“ mit diesem US-Präsidenten leben müsse. Unter ihm als Präsidenten sei die republikanische Partei in den USA weit nach rechts gerückt: Die nun verabschiedete Steuerreform dort zeige, dass Trump und die Partei ganz und gar nichts „für die kleinen Leute tun wollen“.

Reine Machtpolitik

Für Trump sei Politik „reines Machtspiel“ zwischen Staaten, analysiert Eppler. Von Verträgen und Bündnissen halte dieser „selbstverliebte Größenwahnsinnige“ nichts, ebenso wenig von der UNO oder anderen Institutionen. „Da die USA die Mächtigsten weltweit sind, möchte Trump, dass er mit jedem Land einzeln Schlitten fahren kann.“ Trump lasse sich dabei stark von der Überzeugung leiten, dass es eigentlich nur um wirtschaftliche Macht gehe. Entsprechend sehe er in wirtschaftlich starken Ländern seine Hauptgegner – China und Deutschland: „Wir müssen uns darauf einstellen, als Konkurrenz behandelt zu werden.“ In solchen Grundeinstellungen bleibe sich Trump auch treu, unberechenbar sei er nur, wenn es um Detailfragen gehe.

Eppler sieht Trump als weltweite Gefahr auf allen Ebenen. Der Grund: „Er ermutigt eine Art von Herrschaft, wo der Mächtige dem weniger Mächtigen das Fürchten lehrt.“ Die über Jahrzehnte im Westen entwickelte Form der Demokratie, die soziale Marktwirschaft, die sich auch um die Schwächeren kümmert, die einen Ausgleich zwischen Arm und Reich herbeizuführen versucht, werde auf diese Weise untergraben.

Eppler zitiert eine amerikanische Politologin, um den Charakter von Trumps Handlungs- und Denkweise zu charakterisieren: Da werde Neoliberalismus und Marktradikalismus mit einem rüden Nationalismus vermischt. Es entstehe ein „Frankenstein des Neoliberalismus“. Wie der Forscher Frankenstein bei der Erschaffung eines todbringenden Lebewesens gehe Trump an die Grenze des Neoliberalismus, und zerstöre Politik, Gewaltenteilung und Demokratie. Erst langsam werde klar, dass dieser Auswuchs des Neoliberalismus „mit Leben und Tod von Millionen Menschen zu tun haben könnte“.

Gibt es Möglichkeiten, um der Machtpolitik Trumps etwas entgegen zu setzen? Eppler ist bei Kanzlerin Merkel, wenn er sagt: „Wir müssen jetzt unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen.“ Ohne Regierung dazustehen, nichts zu tun und nicht mehr die eigenen Werte hochzuhalten, das „ist das Schlimmste“.

Sicherheit mit Russland?

Europa müsse ein eigenes verlässliches Sicherheitssystem aufbauen, unter dessem Schutz seine Völker friedlich miteinander leben könnten. Dafür brauche man Russland: „Wir müssen mit Russland reden.“ Zu erfahren, was Putin über ein europäisches Sicherheitsnetz denkt, sei wichtiger, als zu wissen, ob er ein guter oder böser Mensch ist.“ Eppler ist von Putins Interesse überzeugt.Er kritisiert die deutschen Medien, dass sie gegenüber Russland und Putin wenig objektiv berichten würden: „Das tut mir weh.“ Laut Eppler hätte Putin seine lange Amtszeit anders gestaltet, wenn er wirklich so „böse“ wäre, wie er oft dargestellt werde. Im Großen und Ganzen habe er nämlich „nichts Schlimmes“ getan. Eppler meint, für die Krim-Annexion und den Ukraine-Krieg könne man Putin nicht direkt verantwortlich machen.

Er schränkt gleichzeitig aber auch selbstkritisch ein: „Nicht alles, was ich gesagt habe, ist der Weisheit letzter Schluss.“ Ihm komme es darauf an, zum Überlegen anzuregen und so den Punkt zu finden, der gegen Leute wie Trump helfe.


Frank V, Theater 2018

"Halunken mit Stil" - Großes Lob für die Theateraufführung

EVA MENNER

Blaubeuren Auch die häufigen Szenenwechsel in Dürrenmatts Stück waren angesichts der räumlich beengten Verhältnisse im Dorment des Klosters eine Herausforderung. Aber wie fast schon gewohnt meisterten die jungen Schauspieler alle Schwierigkeiten.

In der „Komödie einer Privatbank“ geht es um die kriminelle Machenschaften in der von Frank, dem Fünften( Konrad Lohse) und seiner Ehefrau Ottilie (Johanna Kunzi) geführten Bank. Die Geschäfte laufen schlechter als früher, deshalb wollen sie die Bank liquidieren. Personalchef Richard Egli (Anna Aggelákos) ist ein williger Untergebener, der gehorsam die Befehle ausführt und dafür sorgt, dass niemand aus der Reihe tanzt. Schließlich bringt er sogar seine Geliebte Frieda Fürst (Sarah Grund), die der Bank als Prostituierte dient, um.

Mit Kunden werden betrügerische Geschäfte gemacht, die Mitarbeiter wie Prokurist Böckmann (Reik Schlitter) und Neuling Päuli Neukomm (Maximiliane Körber) beklauen die Bank, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Ihren beiden schon erwachsenen Kindern gaukeln Frank und Ottilie ein braves Leben vor und wähnen sie deshalb in Unwissenheit über ihre verbrecherischen Geschäfte. Das erweist sich allerdings als fataler Irrtum. Sohn Herbert (Johann Krafft) übernimmt mithilfe eines erpresserischen Coups schließlich die Bank und Tochter Franziska (Lea Pommer) den Job der Frieda. In einer der letzten Szenen spielen sich Frank und seine Frau vor, dass sie vom Treiben der Kinder nicht wissen.

Als habe Dürrenmatt viel spätere Ereignisse wie Finanzblase und Bankenskandal vorausgeahnt, fleht Ottilie in dem Stück den Staatspräsidenten an, sie zu bestrafen und die Bank zu schließen. Stattdessen bekommt sie einen Scheck überreicht. Am Ende sieht man den degradierten Egli den Boden fegen, der aber versichert, er werde garantiert wieder an die Spitze zurückkehren – ein Symbol für die Macht des Kapitals.

Erstaunlich souverän agierten die Schüler auf der Bühne, bewegten sich präzise in einer durchdachten Choreografie und sangen die leicht schrägen Lieder mit vielsagenden Titeln wie „Halunken mit Stil sind rar“, „Was wir schieben und raffen“ oder „In Oxford wurde ich erzogen“.

Genial wieder einmal das Bühnenbild, das die verschiedenen Schauplätze deutlich machte. Die Requisiten auf der Bühne waren sehr genau durchdacht, sodass die Szenenwechsel schnell vonstatten gingen. Großes Lob für die Schüler, zum Teil Abiturienten, die es sich trotz Prüfungsstress nicht nehmen ließen, auf der Bühne zu stehen.


2. Platz beim Wettbewerb "Mode. Gestern - Heute - Morgen" der Initiative Handarbeit

Auf der Webseite der Initiative Handarbeit ist das Projekt zu finden.

Preisverleihung Schülerwettbewerb „Mode gestern-heute-morgen“

Die Initiative Handarbeit e.V. schreibt jährlich in Kooperation mit dem Fachverband …textil.. e.V. einen Schülerwettbewerb in einem der 16 Bundesländer aus. In diesem Schuljahr wurde der Schülerwettbewerb in Baden-Württemberg, unterstützt vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, mit dem Thema „Mode gestern-heute-morgen“ durchgeführt.

Im Rahmen des Wettbewerbs sollen die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt werden mit textilen Materialien gestalterisch tätig zu werden und Freude am kreativen Tun zu finden. Bewertet werden die Originalität der Ideen, die Auswahl der Materialien und Farben sowie die technischen Fähig- und Fertigkeiten. Darüber hinaus soll das gemeinsame Tun, die Freude an der Beschäftigung mit textilen Materialien und die Wertschätzung alter Kulturtechniken sowie deren Transformation ins Jetzt und/oder das Entwickeln von Visionen für zukünftige Modeideen gefördert werden.

Die Gewinner des Wettbewerbs aus den unterschiedlichen Schularten wurden am 17.05.18 zur Schlussveranstaltung in die Musikhalle nach Ludwigsburg eingeladen. Auf dem Programm stand am Vormittag ein inspirativer Workshop, der von der diplomierten Textildesignerin Nanna Aspholm-Flik aus Stuttgart geleitet wurde. Die Gewinnerarbeiten und die während des Workshops entstandenen Werke wurden in einer Ausstellung in der Musikhalle präsentiert. Bei der Schlussveranstaltung des Wettbewerbs mit Preisverleihung am Nachmittag wurden die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrerinnen durch das Überreichen wertvoller Geld- und Sachpreise sowohl von Herr Eberhardt (Geschäftsführer der Initiative Handarbeit e.V.) als auch von Frau Prof. Dr. Rusch von der PH Karlsruhe (1. Bundesvorsitzende des Fachverbandes …textil..e.V.) geehrt. Beide lobten das große Engagement und die überdurchschnittliche Motivation der Teilnehmer. Die eingereichten Arbeiten zeigen, dass textile Kulturtechniken im schulischen Leben wertgeschätzt werden und bezeugen darüber hinaus, dass an Schulen die Möglichkeit für die Behandlung textiler Themen im Unterricht gegeben ist. Insbesondere die Verknüpfung des Themas „Mode“ mit der im neuen Bildungsplan verankerten Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wurde in den eingereichten Gewinnerobjekten widergespiegelt.
Zu den Gewinnern zählten neben ganzen Klassen auch selbständig arbeitende Schülergruppen sowie einzelne Schüler/innen, die Inspirationen aus dem Unterricht in ihrer Freizeit umsetzen.

Folgende Gewinner wurden geehrt:

In der Kategorie Sekundarstufe erhielt eine Schülergruppe des Evangelischen Montessori Schulhauses den dritten Preis mit ihrer Einreichung „ein Outfit für Maria Montessori“ mit dem Namen „Montessori 2.0 – immer noch und zukünftig im Trend“. Der Schüler Marc Lampert und die Schülerin Dorothee Lohse des Evangelischen Seminars Blaubeuren überzeugten mit einem aktualisierten Abendkleid aus dem Jahr 1953 und erreichten den zweiten Preis. Einen weiteren zweiten Preis erhielt die Schülerin Xenia Tschamber der Freien Waldorfschule Schopfheim mit ihrem roten Ballkleid aus Taft und Spitze. Der erste Preis ging an die Schülerin Ricarda Ockert von der Freien Waldorfschule Karlsruhe mit einer Eigenkreation im Coco Chanel-Stil, mit dem Namen „blackandwhite“. Der Beitrag „Mode der Zukunft“ auf Gliederpuppen von der Seyboldschule aus Metzingen mit Sonderpädagogischem Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) wurde sowohl mit einem weiteren ersten Preis als auch mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet (s. Foto 2). Herr Eberhardt und Frau Prof. Dr. Rusch betonten die Zukunftsorientierung dieser Arbeit und die sehr spannenden individuellen Ausarbeitungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Daher würdigten sie diese hervorragenden Ideen und Leistungen dieser Schülerarbeiten zusätzlich mit dem Gesamtpreis des Schülerwettbewerbes -ein Nähcomputer gestiftet von der Firma Pfaff.

Umrahmt wurde die Schlussfeier durch das Ensemble „Latin Touch“ der Jugendmusikschule Ludwigsburg unter Leitung von Rudi Körner und einem Ballett – Solo von Anabelle Kachel (Ballett-Schülerin der Tanzpädagogin Karolina Buchta von der Kunstschule Labyrinth).


Ronja Kemmer hat sich den Fragen der Semis gestellt

Nach den Besuchen von Bodo Ramelow (Linke) und Hilde Mattheis (SPD) durften wir am 8. Mai auch Ronja Kemmer von der CDU begrüßen. Nach einem kurzen Vortrag der Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Ulm durften und sollten die Semis Fragen stellen. Dieses Angebot nahmen die Semis gerne an und stellten viele, mitunter auch kritische Fragen, unter anderem zur Entscheidung der 29-jährigen bezüglich der „Ehe für alle“, gegen die Kemmer gestimmt hatte. Aber auch Fragen zur Flüchtlingspolitik, dem wachsenden Rechtspopulismus und dem parteipolitischen Werdegang wurden von den Semis in den Raum geworfen. Kemmer, die zunächst selbst zwei Jahre der Jungen Union angehörte, bevor sie sich für ein politisches Engagement in der CDU entschied, forderte alle Schülerinnen und Schüler auf, sich selbst politisch zu engagieren und ihre Möglichkeiten zu nutzen. Ein sehr interessanter Besuch, für den wir uns ganz herzlich bedanken!


Erfolgreiche Teilnahme beim Lauterlauf 2018

In der Altersgruppe der Männer unter 20 Jahren erreichte Jakob Zweigle im Hauptlauf von 12,6 km den 1. Platz mit einer Zeit von 0:57:30,1 (die Abweichung zum Gesamtsieger der Männer beträgt nur +12:53,8). Konrad Lohse kam mit 1:02:53,4 auf den 2. Platz, Ansgar Hoffmann auf den 4. Platz mit 1:11:38,7.

Bei den Frauen unter 20 Jahren stand auch eine Seminaristin auf dem Siegertreppchen: Mareike Elbers lief die 12,6 km in 1:16:07,8.