Feier nach zwölfjährigen Bauarbeiten

Blaubeuren / sp 19.10.2018

Am kommenden Freitag, 26. Oktober, feiert das Evangelische Seminar ab 13 Uhr den Abschluss der zwölfjährigen und fast 14 Millionen Euro teuren Erweiterungs- und Sanierungsarbeiten an Seminar und Klostergebäude. Ephorus Henning Pleitner blickt „froh und dankbar“ auf die vielen Veränderungen zurück. Aufgrund der Investitionen von Kirche und Land habe das Seminar jetzt eine „optimale Ausstattung“, der Seminarbereich „ist klasse geworden“, resümiert er.

Anlass des Umbaus war 2006 die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium im Land. Zunächst war unsicher, wie es dann mit den Seminarschulen in Maulbronn und Blaubeuren weitergehen soll. „Das wichtigste war, dass Land und Landeskirche in einer bewussten Entscheidung Geld für beide Standorte zur Verfügung gestellt haben“, berichtet Pleitner. So konnten beide Schulen ab 2009 ausbauen und die Klassen 9 bis 12 einrichten. Bei fortgesetzter Ausrichtung auf eine humanistische Bildung und gleichbleibender Stipendienförderung wurde die Zahl der Schüler in Blaubeuren von 75 auf 100 erhöht.

Da das im Klosterhof liegende ehemalige Forstamt aufgelöst wurde, konnte dieses Gebäude 2007 vom Seminar übernommen und als Schüler- und Lehrerwohnhaus umgebaut werden. Es folgte die Komplettsanierung des Wohn- und Arbeitsbereichs der Mittelstufe im Klostergebäude und die Renovierung des Neubaus von 1975 für die letzte Klasse, die in Einzelzimmern untergebracht ist.

„Die schwierigste Zeit war, als Speisesaal und Küche umgebaut wurden“, erinnert sich Ephorus Pleitner an rund eineinhalb Jahre während der Renovierungsphase, der mit einigem Aufwand verbunden war: „Damals mussten alle schon fürs Frühstück ihren Kittel anziehen und zum alten Spitel laufen, wo wir die alte Küche und den Speisesaal nutzen konnten.“ Der klösterliche Speisesaal wurde derweil behutsam renoviert und neu ausgestattet – ebenso das Dormitorium, das zusammen mit dem Ephorat das Kloster zu einem „Baudenkmal von nationaler Bedeutung“ macht.  Bei der Ausstattung orientierte man sich am klösterlichen Ideal der Schlichtheit und Nachhaltigkeit. „Das ist sehr ästhetisch“, freut sich Pleitner – ebenso wie eigens gebaute Eichenholzmöbel und die modernen Bäder. Die Unterrichtsräume wurden auf den aktuellen technischen Stand gebracht.

Während der Renovierungsarbeiten zeigten sich gravierende statische Schäden in der mittelalterlichen Dachkonstruktion des Klosters: Holzbalken hatten sich verzogen und abgesenkt, Decken drohten einzustürzen. Ohne massive Eingriffe wären Klosterkirchensaal und Dorment gefährdet gewesen. Eine in die Dächer eingebrachte aufwändige Stahlkonstruktion stabilisiert jetzt die Dächer nachhaltig. Zugleich wurden schadhafte Dachziegel und Mauerwerk ausgetauscht. Dabei verwendete man wenn möglich alte Ziegel aus anderen Klöstern. Für das Dach der Klosterturms fertigte eine Brennerei im Elsass neue Ziegel in alter Handformtechnik einzeln angefertigt. Im Klosterkirchensaal wurden Einbauten der 80er Jahre entfernt und so der schöne schlichte Charakter des Raumes wiederhergestellt. Alle Brandschutzbestimmungen können jetzt für Großveranstaltungen eingehalten werden, berichtet Pleitner.

Ein Nebeneffekt der Sanierung war die gründliche bauhistorische Untersuchung des Klosters, das noch gut erkennbar wesentliche Teile des ersten Klosterbaus enthält. So ist der Speisesaal des Klosters aus dem 15. Jahrhundert auf den Resten des darunter liegenden ersten Klosters erbaut, die zugemauerte Zugangstür dazu ist im Kreuzgang zu sehen. Eine ausführliche Publikation zur Baugeschichte wird Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Als „ein richtiges Wunder“ schätzt Pleitner, dass die Umbau- und Sanierungsarbeiten trotz der vielen, unerwarteten Schäden im Kostenrahmen geblieben sind. „Kompliment an die vom Amt für Vermögen und Bau geplanten und begleiteten Baumaßnahmen“, sagt Pleitner. Nicht zuletzt das sei für den Träger des Seminars, die Evangelische Seminarstiftung Stuttgart, ein Grund zum Feiern: „Das Seminar Blaubeuren ist nach zwölfjähriger Renovierung wieder offen für die Zukunft.“

Beständige Veränderungen im Kloster

Sanierungsarbeiten und Veränderungen an und in den Blaubeurer Klostergebäuden wurden in den jetzt 463 Jahren des Bestehens der Internatsschule immer wieder durchgeführt. Nach der Umwandlung des ursprünglichen Benediktinerklosters zur Internatsschule für begabte Landeskinder 1556 öffnete sich die bis dahin ausschließlich humanistische Schule Anfang des 18. Jahrhunderts den Naturwissenschaften.

1817 wurde die Klosterschule in „Evangelisches Seminar“ umbenannt, der evangelische Abt hieß jetzt „Ephorus“, die Seminaristen mussten keine Mönchskutten mehr tragen und die tägliche Weinration wurde gestrichen. Der erste Schulsportplatz Deutschlands wurde am Kloster eingerichtet. Mit der gymnasialen Oberstufenreform 1975 kam ein neues Gebäude hinzu und Mädchen wurden aufgenommen.

Das Blaumännle, 19.10.2018


Frank V, Theater 2018

"Halunken mit Stil" - Großes Lob für die Theateraufführung

EVA MENNER

Blaubeuren Auch die häufigen Szenenwechsel in Dürrenmatts Stück waren angesichts der räumlich beengten Verhältnisse im Dorment des Klosters eine Herausforderung. Aber wie fast schon gewohnt meisterten die jungen Schauspieler alle Schwierigkeiten.

In der „Komödie einer Privatbank“ geht es um die kriminelle Machenschaften in der von Frank, dem Fünften( Konrad Lohse) und seiner Ehefrau Ottilie (Johanna Kunzi) geführten Bank. Die Geschäfte laufen schlechter als früher, deshalb wollen sie die Bank liquidieren. Personalchef Richard Egli (Anna Aggelákos) ist ein williger Untergebener, der gehorsam die Befehle ausführt und dafür sorgt, dass niemand aus der Reihe tanzt. Schließlich bringt er sogar seine Geliebte Frieda Fürst (Sarah Grund), die der Bank als Prostituierte dient, um.

Mit Kunden werden betrügerische Geschäfte gemacht, die Mitarbeiter wie Prokurist Böckmann (Reik Schlitter) und Neuling Päuli Neukomm (Maximiliane Körber) beklauen die Bank, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Ihren beiden schon erwachsenen Kindern gaukeln Frank und Ottilie ein braves Leben vor und wähnen sie deshalb in Unwissenheit über ihre verbrecherischen Geschäfte. Das erweist sich allerdings als fataler Irrtum. Sohn Herbert (Johann Krafft) übernimmt mithilfe eines erpresserischen Coups schließlich die Bank und Tochter Franziska (Lea Pommer) den Job der Frieda. In einer der letzten Szenen spielen sich Frank und seine Frau vor, dass sie vom Treiben der Kinder nicht wissen.

Als habe Dürrenmatt viel spätere Ereignisse wie Finanzblase und Bankenskandal vorausgeahnt, fleht Ottilie in dem Stück den Staatspräsidenten an, sie zu bestrafen und die Bank zu schließen. Stattdessen bekommt sie einen Scheck überreicht. Am Ende sieht man den degradierten Egli den Boden fegen, der aber versichert, er werde garantiert wieder an die Spitze zurückkehren – ein Symbol für die Macht des Kapitals.

Erstaunlich souverän agierten die Schüler auf der Bühne, bewegten sich präzise in einer durchdachten Choreografie und sangen die leicht schrägen Lieder mit vielsagenden Titeln wie „Halunken mit Stil sind rar“, „Was wir schieben und raffen“ oder „In Oxford wurde ich erzogen“.

Genial wieder einmal das Bühnenbild, das die verschiedenen Schauplätze deutlich machte. Die Requisiten auf der Bühne waren sehr genau durchdacht, sodass die Szenenwechsel schnell vonstatten gingen. Großes Lob für die Schüler, zum Teil Abiturienten, die es sich trotz Prüfungsstress nicht nehmen ließen, auf der Bühne zu stehen.


Ronja Kemmer hat sich den Fragen der Semis gestellt

Nach den Besuchen von Bodo Ramelow (Linke) und Hilde Mattheis (SPD) durften wir am 8. Mai auch Ronja Kemmer von der CDU begrüßen. Nach einem kurzen Vortrag der Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Ulm durften und sollten die Semis Fragen stellen. Dieses Angebot nahmen die Semis gerne an und stellten viele, mitunter auch kritische Fragen, unter anderem zur Entscheidung der 29-jährigen bezüglich der „Ehe für alle“, gegen die Kemmer gestimmt hatte. Aber auch Fragen zur Flüchtlingspolitik, dem wachsenden Rechtspopulismus und dem parteipolitischen Werdegang wurden von den Semis in den Raum geworfen. Kemmer, die zunächst selbst zwei Jahre der Jungen Union angehörte, bevor sie sich für ein politisches Engagement in der CDU entschied, forderte alle Schülerinnen und Schüler auf, sich selbst politisch zu engagieren und ihre Möglichkeiten zu nutzen. Ein sehr interessanter Besuch, für den wir uns ganz herzlich bedanken!