2017 "Was ihr wollt"

Voller Spielfreude - Eine gelungene Teamleistung mit teils herausragenden Schauspielern

Amüsant, souverän und voller Spielfreude brachte die Theater AG des evangelischen Seminars Shakespeares
Komödie "Was ihr wollt" auf die Bühne.

EVA MENNER


Blaubeuren·: Das Publikum bei den drei fast ausverkauften Vorstellungen am Wochenende dankte für den kurzweiligen Abend mit anhaltendem Applaus. "Was ihr wollt" ist ein Spiel mit Maskeraden, Verwechslungen, Geschlechtervertauschung, die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Mag auch manche Figur darin Tragik umwehen, so setzt die Theater AG des evangelischen Seminars doch hauptsächlich auf die komischen Elemente. Kurz die Geschichte: Viola hat ein Schiffsunglück vor der Küste Illyriens überlebt, bei dem ihr Zwillingsbruder Sebastian ums Leben gekommen zu sein scheint. Als Knabe verkleidet tritt sie in die Dienste des Herzogs Orsino. Dieser ist unsterblich verliebt in die Gräfin Olivia, die aber aus Trauer um ihren verstorbenen Bruder sieben Jahre lang ihr Gesicht verschleiern und die Gesellschaft von Männern meiden will. Viola, die sich nun Cesario nennt, verliebt sich in Orsino, Olivia dagegen in den "jungen Mann" Cesario. Dann taucht der ertrunken geglaubte Zwillingsbruder Sebastian wieder auf. Schließlich klären sich alle Verwechslungen auf und die Verliebten finden zueinander.
Herrlich affektiert spielte Konrad Lohse den schwärmerischen Orsino, sehr souverän und überlegt gaben Johanna Kunzi und Lee Heidemann die Viola bzw. die Olivia. Als komödiantisches Talent entpuppte sich Florian Maerker als Hofnarr. Für viele Lacher im Publikum sorgten Till Obermeyer als Tobias Rülps ständig betrunkener Onkel Olivias und Jakob Zweigle als leichtgläubiger, dümmlicher Junker Andreas Schmerzwang. Johann Krafft spielte die Rolle des Haushofmeisters Malvolio mit exaltierter Mimik und tobte mit knallgelben Kniestrümpfen, kreuzweise geschnürt über die Bühne, da man ihm vorgegaukelt hatte, so liebe es Olivia.
Insgesamt war die Aufführung eine gelungene Teamleistung, zu der alle Schauspielerinnen und Schauspieler beitrugen. Weitere Rollen: Reik Schlitter (Sebastian, Violas Bruder), Julia Hascher (Antonio, Schiffshauptmann), Emmeline Mack (Maria, Olivias Kammerzofe), Nelly Brändle (Junker Fabian). Auch Regisseur Sebastian Gengnagel gönnte sich wie stets eine Minirolle. Stumm blieb in der Rolle eines bei Shakespeare nicht verbürgten Gebüschs Ansgar Hoffmann. Kostümmäßig war Zurückhaltung angesagt, man hatte sich für schwarz entschieden, lediglich aufgelockert um ein paar Accessoires wie  goldene Knöpfe oder ein buntes Jäckchen für den Narren, ein durchdachtes Konzept, das sich nicht um historisches Brimborium scherte. Besonderes Lob gebührt wieder einmal dem Kulissenteam. Die kurzen, schnell wechselnden Szenen waren eine Herausforderung auf der engen Bühne im Dorment. Vier gemalte Hintergrundbilder, die Kunstlehrerin Isabel Fuchs und ihr Team geschaffen hatten, von denen je nach Szene drei verdeckt blieben, kennzeichneten den Ort der Handlung. Ein Tisch und ein paar Stühle genügten als Mobiliar. Perfekt eingespielt wurde kurz umgebaut und schon ging's weiter. Die kurzen Umbauten wurden dem Publikum mit Livemusik von Trompete und Flügel versüßt.
Erscheinungsdatum: 19.05.2017, Copyright Das Blaumännle

Eindrücke aus den Proben