Die Debatte am 17.10.2017

Nach der Debatte - Presse

Stuttgarter Zeitung online:

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Jugend fordert Reform der Kirche

Von 18. Oktober 2017 - 17:33 Uhr

Wie einst Martin Luther haben Schüler der evangelischen Seminare in Blaubeuren und Maulbronn Thesen für eine Erneuerung der Kirche formuliert. Die Anliegen lösen bei der Kirchenspitze unterschiedliche Reaktionen aus.

Stuttgart - Ängstlichkeit im Umgang mit der Kirchenspitze legen die Gymnasiasten der Seminare in Blaubeuren und Maulbronn wahrlich nicht an den Tag. Im Gegenteil: Sie sparen nicht mit Kritik an den Verantwortlichen, und sie fordern zum Teil weitreichende Reformen. Am Reformationsjubiläum etwa stört sie der Kommerz. Die „Marke Luther“ werde zur Aufwertung von Produkten verwendet. Dabei habe Luther doch gegen den Ablass gekämpft – also gegen die Geschäftemacherei mit dem Glauben, rügen die Schüler. Die Kirche solle lieber, statt auf den Umsatz zu achten, die zentrale reformatorische Einsicht – die Rechtfertigung allein aus Glauben – erfahrbar machen. Das verlangen die Jugendlichen in der ersten ihrer 17 Thesen, über die sie jetzt im Hospitalhof mit der Kirchenspitze diskutiert haben.

Auch die anderen Anliegen haben es zum Teil in sich. Die Kirche solle bei der Einstellung von Mitarbeitern – etwa in Kindergärten – nicht mehr die Konfession zum zentralen Kriterium machen, sondern auch Muslime beschäftigen. Sie solle eine Jugend-Quote in Kirchengemeinderäten einführen, ihre Einstellung zur Homosexualität ändern, gleichgeschlechtliche Paare segnen und stets ein Zusammenleben von lesbischen oder schwulen Paaren im Pfarrhaus erlauben. So lauten einige der Erneuerungswünsche. Diese haben die Schüler im Unterricht an den kirchlichen Seminaren erarbeitet. Und sie hatten Erfolg mit ihrem Vorstoß, darüber mit der Kirchenleitung eine Debatte zu führen. Denn dieser Vorschlag schaffte es, beim landeskirchlichen Ideenwettbewerb berücksichtigt zu werden. Selten haben sich wohl so viele Spitzenvertreter des hiesigen Protestantismus dem Nachwuchs gestellt. Acht Führungskräfte – vom Landesbischof Frank Otfried July an – bis zur Synodalpräsidentin Inge Schneider standen den Jugendlichen Rede und Antwort. Sie konnten allerdings längst nicht alle Wünsche erfüllen. Eine Jugend-Quote für Kirchengemeinderäte etwa stößt laut der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold auf fast unüberwindbare praktische Hindernisse. Ihr sei es in der Vergangenheit nicht einmal gelungen, unter 40-Jährige für das Ehrenamt zu begeistern. Deshalb – so schlug der Ephorus des Evangelischen Stifts in Tübingen, Henning Decroll vor, solle die Kirche lieber Möglichkeiten schaffen, dass sich Jugendliche punktuell oder projektbezogen einbringen.

Auch bei dem momentan in der Landeskirche heiß diskutierten Thema, ob gleichgeschlechtliche Paare bald in Württemberg vor den Traualtar treten dürfen, blieb der Landesbischof zurückhaltend. Er müsse die Einheit der Kirche wahren, sagte July. Neben den Befürwortern dieser Neuerung gebe es aber auch diejenigen, die wegen der Bibelstellen, die Homosexualität ablehnen, eine solche Reform nicht mitmachen wollten. Daher werde es einen Kompromiss geben müssen. Der Oberkirchenrat werde dazu einen Vorschlag machen. Eine Segnung dieser Paare solle zwar möglich werden, eine Trauung wie bei Mann und Frau bleibe allerdings verwehrt. Die Schüler, die in großer Zahl zu der Debatte erschienen waren, schüttelten ob dieser Ankündigung den Kopf. „Zur Landeskirche gehören auch die homosexuell empfindenden Menschen. Das sollten sie berücksichtigen“, sagte die Elftklässlerin Miriam Kupfer und erntete dafür starken Beifall ihrer Mitschüler.

Ebenso skeptisch reagierten die Verantwortlichen auf die Appelle des Nachwuchses mehr Interreligiosität zu wagen. Wer das evangelisch-christliche Profil einer Kindertagesstätte wahren wolle, stoße mit dem Vorsatz, muslimische Erzieherinnen anzustellen, an Grenzen, betonte der Oberkirchenrat Werner Baur. Schließlich sollten auch die Andersgläubigen nicht überfordert werden. Das überzeugte Melissa Fahrion allerdings nicht. Die christliche Prägung könnten ja die übrigen Erzieherinnen garantieren, sagte die Zwölftklässlerin aus Maulbronn. Außerdem hätten muslimische Erzieherinnen einen leichteren Zugang zu muslimischen Eltern. Eine andere Schülerin meinte, das Miteinander der Religionen werde auf diese Weise ebenfalls befördert. Das, so lautet eine weitere Überzeugung der Gymnasiasten, werde zudem helfen, den politischen Rechtsaußen das Wasser abzugraben. Schließlich sei ein Grund für deren Wahlerfolge die Angst vor fremden Kulturen.

In dem Ziel, den Populismus einzudämmen, waren sich Schüler und Kirchenspitze wiederum einig. Und immerhin: sehr viele der Jugendlichen bekannten auf eine Nachfrage der Moderatorin hin, sie dächten daran, Theologie zu studieren. Die Treue zur Kirche ist also groß – trotz aller Kritik.


"Wir, die Schülerinnen und Schüler der ev. Seminare Maulbronn und Blaubeuren, fordern mit diesen Thesen den ev. Oberkirchenrat am 17. Oktober von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Hospitalhof in Stuttgart zur Disputation auf."

Nach diesen Worten haben die Seminaristen am 4. Oktober mit einem symbolträchtigen Anschlag von 17 selbst erarbeiteten Thesen auf einer Seitentür des Klosters Maulbronn offiziell ihre Herausforderung an die Kirchenoberen ausgesprochen: den Aufruf zu einer Disputation 500 Jahre nach Luther!

Wenige Minuten später gingen die Thesen bereits auf die Reise zu Landesbischof Frank Otfried July, Oberkirchenräten und Prälaten nach Stuttgart, damit sich auch die dortigen Disputanten auf die Debatte vorbereiten können.

Mit einem Trainingslager in Maulbronn haben sich die debattierenden Semis, begleitet von den Pfarrer/innen Irina Ose, Andrea Morgenstern und Johannes Schick, auf den Countdown zum großen Event eingestimmt.

Die Debatte: 17 Thesen

1. Bei unserem Besuch der Weltausstellung fiel uns auf, dass die "Marke Luther" zur Aufwertung von Produkten verwendet wird, um den Umsatz zu steigern. Dabei war es gerade Martin Luther, der sich gegen den Ablass aussprach und statt der Vermarktung der Angst der Menschen den befreienden Inhalt der Bibel ins Zentrum setzte. Wir fordern darum, dass die Kirche statt der Vermarktung Luthers seine Entdeckung der Rechtfertigung allein aus Glauben heute erfahrbar macht, nicht durch materielle Dinge, sondern durch persönliche Begegnung und die Erfahrung, dass unsere Leistung nicht unseren Wert bestimmt.

2. Unsere Umwelt betrifft alle Menschen. Es wird immer deutlicher, dass das System der industriellen Landwirtschaft viele Verlierer hervorbringt.

Gerade aus christlicher Sicht ist die Bewahrung der Schöpfung eine zentrale Aufgabe. Deshalb erwarten wir von unserer Kirche, dass sie Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen dabei unterstützt, Vorzeigemodell für nachhaltiges Wirtschaften zu sein und so Menschen dazu animiert, Verantwortung für die Zukunft der Erde zu übernehmen.

3. Aufgrund von Fachkräftemangel an sozialen Arbeitsplätzen unter kirchlicher Trägerschaft kommt es zu einer schlechteren individuellen Versorgung in den Einrichtungen (z. B. in Kindergärten) und zu einer Überbelastung des Fachpersonals. Die evangelische Kirche hat die Aufgabe, christliche Nächstenliebe für jeden Einzelnen erfahrbar zu machen, und sie hat als Arbeitgeber die Fürsorgepflicht gegenüber ihren Beschäftigten. Die Konfession darf kein Hinderungsgrund für eine Einstellung sein.

4. Personen in sozialen Berufen, wie z. B. Erzieher/innen oder Pfleger/innen, werden trotz immenser Arbeitsbelastung auch von der Kirche schlecht bezahlt und mit befristeten Verträgen eingestellt. Im Geist der Gerechtigkeit Jesu fordern wir von der Kirche eine bessere Bezahlung als die der öffentlichen Arbeitgeber und unbefristete Verträge.

5. Das Durchschnittsalter der Mitglieder in Kirchengemeinderäten steigt stetig weiter an. Eine christliche Gemeinde ist aber durch Vielfalt ausgezeichnet (1. Kor 12). Deshalb fordern wir eine Quote mit 16- bis 25-Jährigen in Kirchengemeinderäten, die die Positionen junger Menschen glaubhaft vertreten können.

6. Manche von uns sind in Pfarrhäusern aufgewachsen und manche überlegen sich, Theologie zu studieren.

6.1. Wir bemerken, dass der Pfarrberuf besonders belastend sein kann, weil Pfarrer/innen emotional belastende Aufgaben, hohen Arbeitsdruck und Erwartungen von außen jonglieren müssen. Dabei kommt das Privatleben oft zu kurz. Für unsere eigene Zukunft im Pfarrberuf wünschen wir uns einen klareren Rahmen, um das Privatleben besser abzugrenzen und Unterstützung, um in Krisen Begleitung zu finden.

6.2. Die relativ strenge Regelung des Beziehungslebens im Pfarrhaus lässt uns unseren Berufswunsch hinterfragen. Für Luther war es wichtig, außer der theologischen Ausbildung keinen Unterschied zwischen Pfarrer/innen und Gemeindegliedern zu machen. Ebenso wie Luther legen wir auch den Schwerpunkt auf die Glaubwürdigkeit eines Menschen und nicht auf das Ausleben seiner Beziehungsform. Darum fordern wir von der Kirche einen offeneren Umgang mit der Wertschätzung für unterschiedliche Beziehungsmodelle.

7. Die Kirche hat in der jüngsten Vergangenheit immer wieder vernachlässigt, der Gewalt gegen z.B. Schutzbefohlene entgegen zu wirken und hat zudem versucht, Gewalt, die im Raum der Kirche geschah, zu verbergen.

Jesus hat sich durch sein Wirken bemüht, Schwächere zu stärken und niemanden auszugrenzen.

Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau voran treibt, Kinderrechte stärkt und sich gegen Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen einsetzt, innerhalb der Kirche und darüber hinaus.

8. Im Gegensatz zu anderen Landeskirchen verweigert die württembergische gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen. Da der Mensch direkt im Anfang den göttlichen Segen erhalten hat (Gen 1,28) und in der Folge diesen als Stellvertreter Gottes weitergibt, steht es uns nicht zu, Einzelnen den göttlichen Segen auf Grund ihrer Lebensform zu verweigern. Wir fordern von unserer Landeskirche, dass sie ihr Vorgehen überdenkt und niemandem auf Grund seiner Lebensform den Segen verweigert.

9. Ebenso fordern wir, dass die württembergische Landeskirche Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt und auch gleichgeschlechtlichen Pfarrpaaren das Leben im Pfarrhaus ermöglicht.

10. Uns ist aufgefallen, dass es unter Christen Angst vor und Vorurteile gegen andere Religionen gibt. Für uns stellt die Goldene Regel (Mt 7,12) das verbindende Element zwischen unterschiedlichen Religionen dar. Darum fordern wir von der Kirche zum einen, dass sie Raum für interreligiösen Austausch und interreligiöse Gottesdienste schafft und zum anderen, dass sie in der Welt prophetisch wirkt, um ein friedliches Zusammenleben der Religionen voran zu treiben.

11. In vielen Kindertagesstätten sind muslimische Kinder anzutreffen. Bislang dürfen – trotz Fachkräftemangels – geeignete muslimische Erziehende nicht eingestellt werden. Die evangelische Kirche in ihrer protestantischen Offenheit und Freiheit sollte verstärkt bereit sein, religiöse Vielfalt anzunehmen und zu fördern, sowie evangelische Traditionen und Werte auch muslimischen Kindern, Frauen und Männern zu vermitteln. Deshalb soll es möglich sein, Personen muslimischen Glaubens einzustellen, sofern das Kita-Team dies wünscht und die Bewerber/innen bereit sind, die evangelische Prägung zu unterstützen.

12. Interreligiöse Trauungen werden immer häufiger. Wenn es der Wunsch eines Paares ist, in einer evangelischen Kirche innerhalb eines evangelischen Gottesdienstes Gottes Segen zugesprochen zu bekommen, soll dies möglich sein, denn Gottes Segen ist nicht teilbar.

13. Erst vor kurzem wurde uns bei der Bundestagswahl die Anziehungskraft populistischer Parteien vor Augen geführt.

13.1. Oft missbrauchen Populisten die Unwissenheit von Menschen, um sie für ihre Positionen einzunehmen. Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie für Millionen von Menschen als Vorbild auftritt und klar Stellung bezieht angesichts menschenverachtender Aussagen.

13.2. Populisten finden besonderen Anklang bei Menschen, die sich abgehängt und ausgeschlossen fühlen. Wir fordern von unserer Kirche, dass sie ihrem humanistischen Bildungsauftrag gerecht wird, indem sie diesen Menschen neue Perspektiven aufzeigt und sich so aktiv für eine vorurteilsfreie Gesellschaft einsetzt.

14. Es herrscht immer mehr soziale Ungerechtigkeit in Deutschland. Gerade Menschen mit niedrigem Einkommen sind mit der Regierung unzufrieden, weshalb sich viele Menschen aus Protest populistischen Bewegungen zuwenden. Die Kirche ist eng mit dem Staat verbunden und selbst ein bedeutender Arbeitgeber. Gerechtigkeit ist ein zentraler christlicher Wert. Die Kirche soll soziale Ungerechtigkeit bekämpfen, indem sie selbst faire Löhne zahlt und Einfluss auf die Politik nimmt.

15. Durch Nöte und Ängste werden Menschen anfällig, populistischen, oft leeren und nicht nachhaltigen Versprechen zu folgen. Nächstenliebe und Fürsorge sind im christlichen Glauben stark verwurzelt und sollten daher auch nach außen praktiziert werden. Die Kirche sollte Hilfestellungen für Einzelne in Not leisten und Möglichkeiten zum Engagement für Arbeitslose bieten. Dadurch wirkt die Kirche präventiv und unterstützt Menschen darin, weniger anfällig für Populismus zu sein.

16. Zwischen Anhängern und Gegnern populistischer Bewegungen kommt kein sachlicher Dialog zustande. Es kommt zur Feindbildentwicklung und zur Entstehung von Vorurteilen. Gerade Befürworter der AfD fühlen sich unverstanden.

Jesus agierte quer zu allen Vorurteilen und setzte sich mit Zugehörigen aller Interessengebiete auseinander, auch wenn diese entgegen der Moralvorstellung handelten. Nur so konnte er Konflikte zwischen beiden Seiten lösen.

Die Kirche muss als an allen Orten vorhandene Institution Räume zur Verständigung und Diskussion schaffen. An solchen Veranstaltungen müssen auch Anhänger anderer und nichtchristlicher Wertevorstellungen teilnehmen dürfen.

17. Viele Menschen fühlen sich durch Zuwanderung bedroht, z.B. da sie keine kulturelle Vielfalt gewohnt sind.

Was Menschen fremd ist, macht von Natur aus Angst. So können Vorurteile und Konflikte entstehen.

Die Kirche sollte vermitteln, dass Vielfalt eine Bereicherung, keine Bedrohung ist. Sie sollte Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen (bezogen auf z.B. Herkunft, Konfession, soziale Schicht, Altersgruppe) zusammenbringen, um glaubhaft zu vermitteln, dass alle Menschen Gottes Ebenbilder sind.

Pressestimmen

REFORMATION / SEMINARSCHüLER DISKUTIEREN MIT DER LEITUNG DER LANDESKIRCHE
Eigene Thesen für eine erneuerte Kirche

Schüler der Evangelischen Seminare Blaubeuren und Maulbronn haben 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag ihre eigenen Thesen aufgestellt. Sie werden diese am Dienstag mit der Leitung der evangelischen Landeskirche in Stuttgart zu diskutieren.

Blaubeuren·: Passend zum 500-jährigen Reformationsjubiläum fordern Seminaristinnen und Seminaristen aus Blaubeuren und Maulbronn mit neuen Thesen am Dienstag, 17. Oktober, im Hospitalhof in Stuttgart den Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche zu einer Debatte heraus. Sie wollen sich mit ihren eigenen Argumenten einmischen. 16 Schülerinnen und Schüler werden auf dem Podium diskutieren, während die Seminargemeinschaften insgesamt mit dabei sind.
Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für das Projekt auf Hochtouren. Mit dem symbolischen Anschlag ihrer selbst erarbeiteten Thesen auf einer der Türen des Klosters Maulbronn haben die Schüler nun offiziell ihre Herausforderung an die Kirchenoberen ausgesprochen. Auf die Seminaristen warten folgende Gesprächspartner: Landesbischof Dr. Frank Otfried July, Prälat Prof. Dr. Christian Rose, Prälatin Gabriele Arnold, Inge Schneider (Präsidentin der Landessynode), die Oberkirchenräte Stefan Werner, Prof. Dr. Ulrich Heckel, Werner Baur, Wolfgang Traub, Ursula Pelkner sowie der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Volker Drecoll (Uni Tübingen). Die Moderation wird Kirchenrätin Carmen Rivuzumwami übernehmen.
In den Thesen der Schüler geht es um Gerechtigkeit, anderen Religionen, neuen Lebensformen oder Populismus: ". . .im Geist der Gerechtigkeit Jesu fordern wir von der Kirche eine bessere Bezahlung als die der öffentlichen Arbeitgeber und unbefristete Verträge", heißt es etwa in der These 4. Die These 8 beginnt: "Da der Mensch direkt im Anfang den göttlichen Segen erhalten hat (Gen 1,28) und in der Folge diesen als Stellvertreter Gottes weitergibt, steht es uns nicht zu, Einzelnen den göttlichen Segen auf Grund ihrer Lebensform zu verweigern" Zum Thema Populismus heißt es in These 13: "Oft missbrauchen Populisten die Unwissenheit von Menschen, um sie für ihre Positionen einzunehmen. Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie für Millionen von Menschen als Vorbild auftritt und klar Stellung bezieht angesichts menschenverachtender Aussagen."

Gegen Populisten
Die Idee der Debatte wurde beim Wettbewerb "Kirche macht was" im Rahmen des Reformationsjubiläums eingereicht und zählte zu den Gewinner-Projekten. Eine kirchliche Debatte in dieser Form hat es noch nie gegeben. Deshalb sollen solche Diskussionen auch künftig regelmäßig in kleineren Runden stattfinden.
Der Countdown läuft. Nach der Formulierung der Thesen bereiten sich die Schülerinnen und Schüler mit Hochdruck auf das Argumentieren vor. Am 4. Oktober gab es in Maulbronn einen Trainingstag für sie, begleitet von den Pfarrern der beiden Evangelischen Seminare, Irina Ose, Dr. Andrea Morgenstern und Dr. Johannes Schick.
Die Vorfreude bei den Debattierenden ist groß. Sie wollen selbstbewusst ihre Meinung vertreten und wünschen sich, dass sie Gehör finden. Sie haben viele Impulse für eine Kirche der Zukunft, die Stellung bezieht zu den brennenden Fragen unserer Zeit.

Erscheinungsdatum:  13.10.2017, Copyright Das Blaumännle